Worte entscheiden: Warum der Ton die Musik macht
Worte entscheiden, ob eine Rede verbindet oder trennt. Humor kann Türen öffnen, doch entscheidend sind Empathie und das Gespür für das Publikum. Wer Feedback annimmt, Denkgewohnheiten verlässt und bewusst auf Floskeln verzichtet, spricht klarer und wirksamer. Gute Sprache entsteht nicht aus Routine, sondern aus Aufmerksamkeit und echter Auseinandersetzung.

Wie gelingt es eine Sprache zu finden, die im besten Fall Barrieren überwindet?

Wenn es zum Anlass passt, kann Humor wahre Wunder wirken: Ein Publikum zum Lachen zu bringen, entwaffnet und entkrampft, weckt Sympathie, verführt zum Perspektivenwechsel und schafft sofort eine Verbindung zwischen Redner und Zuhörern. Grundsätzlich braucht es aber vor allem Empathie und Vorstellungskraft, um mit einer Rede Barrieren zu überwinden: die Fähigkeit, sich in die Menschen hineinzuversetzen, die man erreichen möchte. Das kann man trainieren.

Wie trainiert man das Gespür für die richtigen Worte?

Hilfreich ist zum Beispiel, nach jeder Rede Vertraute im Publikum nach ihrer ehrlichen Meinung zur Wirkung der Worte zu befragen und aus dem Feedback für die nächsten Reden zu lernen. Hilfreich ist auch, die eigenen Echokammern zu verlassen: raus aus dem eigenen Milieu, hinein in Lebenswelten, in denen Menschen andere Sorgen haben als die eigene geistige und politische Verwandtschaft. Hilfreich ist nicht zuletzt, Sprachroutinen zu verlassen – und damit auch die Routinen des eigenen Denkens. Mir persönlich hilft dabei vor allem das Lesen. In der selbstvergessenen Lektüre ist es möglich, die Welt aus den Augen anderer Menschen zu sehen, mit denen man nichts gemein zu haben glaubt. Vor allem aber dringt poetische Sprache tiefer zur Wahrheit vor als unsere Alltagssprache, und Reportagen und Romane offenbar Wahrheiten, die in keinem Fachvermerk, in keiner wissenschaftlichen Studie und in keiner Statistik auftauchen.

In Reden werden häufig Klischees und Floskeln bemüht. Wann ist das durchaus auch mal in Ordnung?  Klischees und Floskeln sind völlig in Ordnung, wenn Sie als Rednerin oder Redner keinerlei Ehrgeiz haben, dass Ihre Ideen und Gedanken den Weg in andere Köpfe finden. Außerdem sollten Sie, wenn Sie die Floskelmaschine anwerfen, kein Problem damit haben, dass Ihre Zuhörer sich schon nach der ersten Phrase („Ich freue mich, dass Sie alle so zahlreich erschienen sind …“) ihrem Smartphone zuwenden oder ins Wachkoma fallen. Wenn Sie allerdings der Überzeugung sind, dass Sie etwas zu sagen haben, was mindestens die Aufmerksamkeit oder gar die Zustimmung der Menschen verdient, deren wertvolle Zeit Sie mit Ihrer Rede in Anspruch nehmen, sollten Sie Plastiksprache und Fertigteilrhetorik aus Ihrem Wortschatz streichen und Zeit und Mühe in die Vorbereitung Ihrer Rede investieren

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