Was Reden überzeigend macht – und was sie ruiniert
Eine gute Rede verbindet Klarheit mit Haltung. Sie folgt einem roten Faden, spricht in Bildern statt in Floskeln und erreicht Kopf wie Herz zugleich. Entscheidend sind nicht nur starke Argumente, sondern auch Präsenz, Empathie und ein Einstieg, der Aufmerksamkeit schafft. Wer sein Publikum kennt und authentisch bleibt, schafft Resonanz statt bloßer Worte.

Was macht eine gute Rede aus?

Auf Seiten des Redners, der Rednerin: Hirn, Herz und Haltung. Im Redemanuskript: ein strukturierender, alle Gedanken, Argumente, Geschichten und Beispiele miteinander verknüpfender roter Faden; eine klare, anschauliche Sprache mit Metaphern, die Brücken bauen zum Weltbild der Zuhörerinnen und Zuhörer; eine abwechslungsreiche Komposition aus Argumenten, Beispielen und Geschichten, der man gerne lauscht und die den Menschen hinter der oder dem Vortragenden sichtbar macht.

Was kann eine gute Rede ruinieren?

Da gibt es viele Möglichkeiten … Ein großes Ego zum Beispiel, das mit entsprechender Körpersprache, Mimik und Betonungen um Beifall heischt statt sich zur Stimme des Anliegens zu machen, dem die Rede gewidmet ist. Umgekehrt nützt das beste Redemanuskript nichts, wenn es mit gesenktem Blick vorgelesen – gar vorgenuschelt – statt vorgetragen wird oder wenn der Redner, die Rednerin sich damit nicht wohlfühlt. Emotionen, Pathos zum Beispiel sollte man vorsichtig dosieren – das kann nicht jeder glaubwürdig vortragen, selbst wenn es um ein wirkliches Herzensanliegen geht.

Ein weiterer Weg in den Ruin eines Redeauftritts ist fehlende Empathie. Selbst ein brillanter Redner, eine brillante Rednerin mit einem exzellenten Redemanuskript kann das Publikum mit einer einzigen, beiläufig eingestreuten Bemerkung – ja, manchmal nur mit einem in bestimmten Gruppen negativ besetzten Begriff – schockfrosten oder gegen sich aufbringen, wenn sie Salz in offene Wunden streut oder irrationale Ängste weckt. Auch deshalb sollte man sein Publikum und dessen Befindlichkeiten gut kennen, erst recht dann, wenn man Menschen überzeugen möchte, die radikal andere Ansichten vertreten: nicht um ihnen nach dem Mund zu reden, sondern um ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Worte sich eignen, um konfliktträchtige Themen mit der Aussicht auf Verständigung anzusprechen.

Wie gelingt es, mit einer Rede die erwünschte Stimmung zu schaffen?

Das ist ein wichtiger Punkt, denn kein großer Redner, keine große Rednerin hat je allein mit Fakten überzeugt. Das bessere Argument braucht die Kraft geschliffener Worte, bewegender Erzählungen und eindringlicher Bilder, um gleichermaßen Verstand, Gefühl und Affekte zu erreichen. Die ersten Sätze einer Rede entscheiden meist schon, ob sie überhaupt Gehör findet oder nicht. Sie setzen nicht nur den Ton, sie entrollen nicht nur den roten Faden, der sich durch eine gute Rede zieht, ihr Struktur und Zusammenhalt gibt. Sie versetzen das Publikum im besten Fall in einen Zustand wohlwollender Neugier und wecken die Bereitschaft, den Gedankengängen der Rednerin oder des Redners zu folgen. Welcher dramaturgische Aufbau, welche Beispiele und Geschichten und welche stilistischen Mittel am besten geeignet sind, damit der Funke überspringt, kommt auf die Persönlichkeit des Redners, der Rednerin an, außerdem auf das Thema, den Anlass und das Publikum.

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